Trinkwasser: Verbesserung unserer Grundwasserqualität

Hannover.

WAS IST DAS PROBLEM?
Trinkwasser wird in Niedersachsen größtenteils aus Grundwasser gewonnen. Die Wasserversorger überprüfen und stellen sicher, dass das Trinkwasser unbelastet ist und den Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter nicht überschreiten. Das Grundwasser selbst überschreitet in einigen Regionen jedoch die zulässigen Grenzwerte. Die Nitrateinträge müssen also dort, wo sie zu hoch sind, reduziert werden. Gleichzeitig ist es erforderlich, die den Werten zugrunde liegenden Mess- und Meldeverfahren zu überprüfen und repräsentativ zu gestalten.

Im Rahmen der EG-Nitratrichtlinie ist jedes EU-Land verpflichtet, alle vier Jahre einen Nitratbericht vorzulegen, in dem dargestellt wird, wie stark die Gewässer mit Nitrat belastet sind. Aufgrund unterschiedlicher Messsysteme weist die EU-Kommission auf eine begrenzte Vergleichbarkeit der Daten zwischen den Mitgliedsstaaten hin. Deutschland hat – anders als andere EU-Länder – nicht den Durchschnitt aller Brunnen und Messwerte nach Brüssel gemeldet, sondern nur Messwerte besonders sensibler Brunnen. Zudem ist das deutschlandweite Mess-
netz nicht repräsentativ. Zwar wurde die Anzahl der Messstellen für den Nitratbericht 2016 auf 2/1000 km2 erhöht, sie liegt damit aber immer noch weit unter dem EU-Durchschnitt von 8/1000 km2.

103 Messstellen dieses Messnetzes befinden sich in Niedersachsen. Laut Landesumweltministerium messen sie alle nahe der Grundwasseroberfläche und damit an der Stelle, an der das durchsickernde Wasser direkt aus der
Krume ankommt. In diesem Bereich ist die Belastung durch einsickernde Stoffe besonders hoch und entspricht nicht dem Wert, der in den tieferliegenden Bereichen des Grundwassers vorherrscht. In diesem Messnetz liefern 35 % der Messstellen in Niedersachsen einen Wert oberhalb von 50 Milligramm Nitrat pro Liter.

Ein detaillierterer und somit repräsentativerer Überblick über die Grundwasserbelastung in Niedersachsen wäre jedoch möglich. So verfügt beispielsweise das Gewässerüberwachungssystem Niedersachsen (GÜN) über
1.355 Messstellen, die in verschiedenen Grundwassertiefen über die gesamte Landesfläche verteilt sind. In diesem Messnetz liegen lediglich 16 % der Messstellen in Niedersachsen über einem Wert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter.

 

WIE GROSS IST DAS PROBLEM?
Die Gründe für erhöhte Nitratwerte in Grundwasserkörpern sind vielfältig. Als Haupteinträger für dieses Nitrat
gilt die Landwirtschaft. Diese ist sich ihrer Verantwortung bewusst und ist bereit, gezielt Maßnahmen zu ergreifen, um die Nitratbelastung zu verringern. Der aktuellste Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer Niedersachsen macht deutlich, dass innerhalb von nur vier Jahren der Stickstoffüberschuss von 80.000 Tonnen auf 31.000
Tonnen zurückgegangen ist. Neueste Zahlen weisen aus, dass es im Kalenderjahr 2019 gar keinen Überschuss mehr gab. Das zeigt, dass die bisherige Düngeverordnung und Initiativen wie Wasserschutzkooperationen sehr
erfolgreich sind und die Landwirtschaft in der Lage ist, diese Problematik in den Griff zu bekommen.

Neben der Landwirtschaft gibt es aber auch weitere starke Eintragsquellen, wie Altlasten, Siedlungen oder aber auch Kläranlagen. Nach wie vor gibt es in Deutschland zudem Mischwasserkanäle, in denen alle Abwässer gemeinsam abgeleitet werden. Bei Starkregenereignissen können die Klärwerke diese Wassermengen oft nicht verarbeiten und das so genannte Mischwasser wird direkt in die Flüsse eingeleitet.

Informationen dazu, welche Mengen an ungeklärtem Haushaltabwasser derzeit in niedersächsische Gewässer eingeleitet werden und welche Nährstofffrachten diese Einleitung beinhalteten, liegen laut Aussage der Landesregierung nicht vor. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass in Deutschland im Mittel der Jahre 2015/2016 die durchschnittliche Nährstofflast aus Abwässern bei Stickstoff auf einen Anteil von ca. 22% kam. Weitere Belastungen stammen aus maroden Kanalsystemen.

 

WIE SIEHT UNSERE LÖSUNG AUS?
In Niedersachsen wirken seit vielen Jahren erfolgreiche Kooperationen zwischen Landwirten und Wasserversorgern. In diesen Kooperationen verpflichten sich die Landwirte, individuelle Wasserschutzmaßnahmen umzusetzen. Durch eine stärkere Binnendifferenzierung müssen Maßnahmen dort ergriffen werden, wo überhöhte Düngung Nährstoffausträge verursacht. Hierbei würden gezielt die Verursacher und nicht pauschal die gesamte Landwirtschaft in die Pflicht genommen. Außerdem wäre es auf diese Art und Weise möglich, regional angepasste, wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Betriebe, die sich an die Grenzwerte halten, würden auf diese Weise von
Sanktionen und Verboten verschont bleiben.

In den Haushaltsberatungen für den Landeshaushalt 2020 hat die FDP-Fraktion deshalb beantragt, für die Arbeit der Wasserschutzkooperationen zusätzliche 10 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Damit sollen die Kooperationen so stark ausgeweitet werden, dass auch in den intensiv von Überdüngung betroffenen Gebieten die Belastung des Grundwassers effektiv verbessert werden kann.

Außerdem müssen die tatsächlichen Nitrateinträge in das Grundwasser durch fehlgeleitete Abwässer oder nicht ausreichend modernisierte Kläranlagen wissenschaftlich ermittelt werden. Nur so lässt sich überprüfen, wo welche
Investitionen in die Abwassersysteme des Landes sinnvoll und erforderlich sind, um die Grundwasserbelastung auch auf diesem Eintragspfad zu verringern.

 

WAS WOLLEN WIR NICHT?
Die Wasserschutzkooperationen bieten auf die örtlichen Besonderheiten angepasste Lösungen, außerdem werden die Landwirtschaft und die Wasserversorger gleichermaßen eingebunden. Sie sind damit das Gegenteil der generellen Düngeverbote in den pauschal ausgewiesenen, so genannten „roten Gebieten“. Diese von der Landesregierung festgelegten Gebiete umfassen rund 39 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Niedersachsen (ca. 1 Million Hektar), obwohl in Niedersachsen nachweislich nur 16 % der Messstellen über einem Wert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter liegen.

In diesen Gebieten soll u.a. die pauschale Reduzierung der Nährstoffversorgung um 20 Prozent unter den Nährstoffbedarf der angebauten Nutzpflanzen verpflichtend werden. Diese Maßnahme erschwert flächendeckend die lokale Erzeugung von Lebensmitteln und ist nicht auf die Problemlösung an den Belastungsschwerpunkten
ausgerichtet. Das zusätzliche Verbot einer Düngung von Zwischenfrüchten, die für den Wasser- und Bodenschutz angebaut werden, erscheint ebenfalls nicht als zielgerichtete Maßnahme zum Wasserschutz.

Teilweise habe die Vorgaben für die roten Gebiete schon dazu geführt, dass die Arbeit in den Wasserschutzkooperationen erschwert bzw. ganz eingestellt wurde. Die wichtige, auf Selbstbestimmung und Verantwortung basierende Arbeit zur Verbesserung des Grundwassers wird damit durch flächendeckende Verbote überlagert, die für die Beteiligten auch eine äußerst demotivierende Wirkung haben.

 

FAZIT
Nur eine freie Sicht auf alle Einträge und Ursachen bietet eine Chance auf wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Grundwasserqualität in Niedersachsen.
An den Belastungsschwerpunkten müssen dafür wirksame Maßnahmen ergriffen werden, die in den unbelasteten Gebieten nicht die lokale Lebensmittelproduktion unmöglich machen. Unzweifelhaft kann eine Lösung des Problems nur gemeinsam mit der Landwirtschaft gelingen und keinesfalls gegen sie.